Phase 2: Ausarbeitung

Lass deine Sammlung wachsen.

Inzwischen dürften ein paar Notizen auf deinem Blatt stehen. Mach weiter mit dem Sammeln: Lege Fotos, Zeitungsartikel, Gegenstände dazu, die (für dich!) mit dem Thema zu tun haben.

Wenn noch (so gut wie) nichts zu sehen ist, füge einfach irgendwelche Notizen hinzu, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Ein Stichwort für das, was dich gerade wirklich beschäftigt, ein aufgeschnapptes Wort, eine Beobachtung zum Wetter... – Es ist jetzt nur wichtig, dass überhaupt der Fluss des (möglichst unzensierten) Sammelns in Gang kommt.

Beginne zu strukturieren!

Einige Ideen, Notizen, Informationen gehören zusammen. Bilde Gruppen (z.B. in Form einer Mind Map).

Konzentriere dich dabei nicht nur auf den begrifflich-gedanklichen Inhalt, sondern spüre auch das (Bedeutungs-)gewicht, die emotionale helle oder dunkle Färbung, Wärme oder Kälte der Teilthemen.

Markiere die Beziehungen unter den Gruppen/Teilthemen: Welche führt zu einer anderen? Welche stehen zueinander in Spannung? Deine Mind Map bekommt Pfeile, Wolken, Blitze, Farben...

Eigentlich entstehen jetzt zwei verschiedene Strukturen: Einmal diese logischen Bezüge, wie gerade beschrieben, und dann die Abfolge in der Rede. Das heißt aus der Mind Map wird der Stichwort-Zettel.

Und zur Abfolge vielleicht nur ein Hinweis: Es ist gut, wenn du den Grundimpuls deiner Rede (das, was neu ist, das, worauf du hinaus willst) schon ziemlich am Anfang mal anklingen lässt. Entfalten kannst du später, aber dass gleich mal ein Bild oder eine Anekdote oder eine These kommt, etwas, das aufhorchen lässt und das einstimmt. Als Prélude sozusagen.

 

Geh in den Dialog!

Bitte jemand, in die Zuhörerrolle zu gehen und trage ihm deine Gedanken vor. Sprich, wie du zu einer Hörerschaft sprechen würdest.

Auch wenn es euch beiden lustig vorkommt: Sprich jetzt schon in der Vorstellung zu deiner Ziel-Hörerschaft. Lacht, grinst ein bisschen darüber - und dann weiter.

Lass dir sagen, was das Vorgetragene bei deiner Testhörperson ausgelöst hat. Notiere die Punkte, zunächst einmal ohne ins Argumentieren oder Erläutern zu kommen. Vielleicht stecken in den Reaktionen Fragen, die du ansprechen und klären musst, um ohne Missverständnisse zu deinem Punkt kommen zu können. Vielleicht spiegeln dir die Reaktionen Widersprüche oder Unklarheiten in deinen Äußerungen. Bedanke dich, notiere, - bewerte und gewichte später.

… und halte das Rad am Laufen!

Komm immer wieder einmal auf dein Papier, deine Werkstatt zurück.

Auch dann, wenn dir inzwischen kein toller neuer Einfall gekommen ist, wenn du dich uninspiriert und genervt fühlst. Gerade dann ist es gut, einfach einen Blick auf das Blatt zu werfen, das bisher Notierte zu lesen – und dann wieder davon weg zu gehen.

Du hast vielleicht nichts hinzugefügt, aber du hast dafür gesorgt, dass das Rad in Schwung bleibt.

Dein innerer Prozess liefert dir manchmal nicht auf Kommando neue Ideen, aber im Hintergrund läuft und wirkt er weiter und plötzlich gibt es wieder ein Aha!

Beobachte deine Stimme!

Deine Stimme ist mehr als die Telefonleitung, die deine Informationen von dir zu den Hörerinnen und Hörern trägt. Deine Stimme ist der Teil deines Körpers, mit dem du gleichzeitig bei dir selber und bei vielen anderen Menschen sein kannst. Genau genommen bist du nicht nur bei, sondern in ihnen.

Dabei transportiert deine Stimme eben nicht nur (bewusste, beabsichtigte) Informationen, sie transportiert dich, deine Stimmung, dein Engagement oder deine Langeweile, deine Angst und deinen Mut, deine ganze Art, im Leben zu stehen. Deine Stimme ist sozusagen immer nackt.

Macht das Angst?

Statt deine Stimme kontrollieren zu wollen, beginne sie einfach zu beobachten. Wann sprichst du höher, wann tiefer? Wann langsam, wann schnell? In welchen Situationen magst du gar nicht den Mund aufmachen?

Beobachte, ohne Werten, wenn möglich mit ein wenig Humor und Sympathie für dich selbst.

Werde bewusst vertraut mit deiner eigenen Stimme. Beginne, sie zu bewohnen.

Sie wird in ihrer eigenen Weise dankbar darauf reagieren, mehr Fülle, mehr Modulation, mehr Lebendigkeit gewinnen.

Lass ein starkes Bild für dein Thema kommen!

Ein Bild oder eine kleine Szene, die die wichtigste Aussage deiner Rede illustrieren, haben zwei, vielleicht sogar drei große Vorteile:

Für die Zuhörenden stellen sie eine Art Anker dar, an dem sie das Gesagte für sich festmachen und mitnehmen können.

Für dich als Redende/n stellen sie ein Element dar, das du auf jeden Fall frei, das heißt im Kontakt mit dem Publikum, vortragen kannst.

Wenn das Bild gut gewählt ist, transportiert es darüber hinaus die Lösungs-Energie und wirkt eine entsprechende Anziehung aus. Deine Zuhörer/innen sind einerseits die rationalen Mit-Denker, sie sind aber - besonders wenn du ein ernstes Thema ansprichst - wie Kinder, die Orientierung suchen. Ein gutes Bild strahlt aus: Hier kannst du dich niederlassen, hier ist es verlässlich. Das wirkt aber nur, wenn das für dich selbst auch der Fall ist...

Schließe die Augen - achte auf das, was gerade in dir vorgeht – öffne die Augen und bleibe beim Wahrnehmen des inneren Erlebens, während du die Außenwelt dazu nimmst.

Deine Präsenz ist dein stärkstes Argument, und dein Blick ist das stärkste Medium deiner Präsenz. Dein Blick signalisiert: Ich bin da, ich bin offen, ich kriege alles mit, ich habe euch (die Hörerschaft) dabei.

Häufig empfiehlt man an dieser Stelle den Blickkontakt mit der Hörerschaft. Aber es geht, genau genommen, nicht um Kontakt: Du reagierst nicht auf das, was du siehst; du nimmst einfach wahr und belässt es dabei.

Nennen wir es: Blick-Präsenz!

Unterbrich deine Arbeit und tu etwas, was du gerne tust!

Ich nehme den Tipp von der Anfangsphase nochmal auf. Er ist wichtig.

Das Wohlfühlen, das Gerne-Tun, ist ein viel fruchtbarerer Nährboden für Ideen als angestrengte Konzentration. Lass diese Energie von spielerischem, absichtslosem Tun in deine "Arbeit" einfließen.

Normalerweise halten wir diese beiden Aktivitätsmodi getrennt: "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!" "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!"

Vielleicht kannst du dir ein wenig dabei zuschauen, wie du auf "Ernst des Lebens" schaltest, sobald du dich an den Schreibtisch setzt. Und über dich lächeln...

Warum sollte Reden weniger Spaß machen als Surfen oder Skifahren?

Ich hätte gerne, dass es dir immer mehr auffällt, wenn du wieder anfängst, streng und sogar grausam mit dir selbst umzugehen ("Jetzt stell dich nicht so an!" "Reiß dich zusammen!"). Dass es dir auffällt und dass du dich anfängst zu fragen: Muss das so sein?

Nutze die Gelegenheiten zu Mini-Vorträgen!

Einen Witz erzählen – einen Gedanken darlegen (was mehr ist als eine Behauptung aufstellen) – den Inhalt eines Films wiedergeben – jemandem ein Gemälde beschreiben, das du gesehen hast, oder einen Weg, den du gegangen bist -
vor allem, wenn du der eher zurückhaltende Typ bist, solltest du solche Probeballons steigen lassen. Du wirst feststellen, dass das Freude machen kann – und dass man dir viel lieber zuhört, als du gedacht hast...

Nutze die Gelegenheiten zum Zuhören!

Gutes Reden wächst nur auf dem Boden von gutem Hören. Hören lernen ist ein lebenslanger Prozess. Immer gibt es noch etwas zu entdecken: Verborgene Botschaften, Beziehungsangebote, Grenzziehungen – nimm wahr ohne zu urteilen, ohne zu reagieren, ohne einzugreifen. Vielleicht kannst du das Zuhören als eine ähnlich bereichernde Tätigkeit wie das Betrachten eines Bildes oder einer Landschaft für dich entdecken. -

Und auch hier: Die Absichtslosigkeit bringt dich weiter als die Bemühung.

Mach dir zur Gewohnheit, in deine Füße zu spüren

Wie berühren deine Füße jetzt gerade den Boden? Tänzeln sie, oder sind sie fest auf den Platz gestemmt? Hängen sie irgendwie unten an deinem Körper dran oder sind sie Teil deines Da-Seins, deiner Präsenz?

Im Auftritt, also bei der Rede selber, ist dein Kopf mit seinen Gedanken wie ein Papierdrachen im Wind. Du brauchst einen Kumpel, der die Schnur hält, der dich im Hier und Jetzt verankert: Das sind deine Füße! Mach sie zu deinen Freunden.