Phase 3: Störungen

Begrüße dein Problem höflich!

Was du als Störung ansiehst, ist einfach ein Element, ein Ereignis, eine Situation, die dir nicht in den Kram passt. Geh davon aus, dass "dein Kram", das heißt deine Vorstellung, wie es weitergehen soll (schön linear, gell?) aus einer begrenzten Perspektive heraus kommt. Das, was dich stört, kommt aus dem Gesamt der Realität. Wenn du dich positiv damit beschäftigen kannst, führt es dich oft auf wertvolle Dinge, auf die du sonst nicht gekommen wärst.

Darum begrüße dein Problem höflich und freundlich. Gib ihm einen Namen! "Hallo Einfallslosigkeit, guten Tag!" Bitte dein Problem, auf dem Stuhl dir gegenüber Platz zu nehmen. Verhandle geduldig mit ihm: "Möchtest du mich auf etwas aufmerksam machen? Brauchst du etwas, um auf meiner Seite zu sein und mir zu helfen? Ich kapiere jetzt nicht, was du sagen willst, aber ich werde die nächste Zeit offen dafür sein, dass mir ein neuer, vielleicht auch ein unangenehmer Gedanke kommt, und dann beschäftige ich mich damit. Okay?"

Triff dich mit dir selbst - ohne Aufpasser!

Um angepasst zu funktionieren, haben wir von Kindesbeinen an gelernt, uns selbst, vor allem unsere Äußerungen, genau zu kontrollieren. Wenn dir nichts einfällt oder alles blöd vorkommt, dann wird das an der inneren Bürokratie von Aufpassern liegen. Trickse sie aus!

Wie das geht? Schreib drei DIN-A4-Seiten voll, mindestens, von Hand, ohne abzusetzen von links oben nach rechts unten und nächste Seite, wenn nichts kommt dann schreib irgend was, und weiter und weiter, hör nicht auf, bis mindestens drei Seiten voll sind!

Kläre: Wer will was?

Welches ist dein Auftrag bei dieser Rede (was erwartet dein Arbeitgeber, deine Institution, deine Arbeitsgruppe, deine Familie...)? Mach eine Liste: Ganz oben die offiziellen, ausdrücklichen Aufträge und Erwartungen, darunter die (vielleicht sehr unterschiedlichen und sogar widersprüchlichen) Erwartungen einzelner Hörer / Hörergruppen. Und dann ein neues Blatt: Was willst du?

Setz dich ins Kino: Sie spielen "Dein Problem"

Es geht einfach um den Perspektivwechsel: Schau deine Situation nicht von innen an, als Beteiligte/r, unter dem Zwang irgendwas (richtig) zu machen, sondern als Zuschauer/in. Guck allen zu: Deinen Richtern, deinen Feinden, deinen Fans, denen, die auf dich gesetzt haben - und dir selber, wie du da strampelst, um alles gut zu machen...

Knuddel dein Baby!

Vielleicht erwartest du, dass andere deine Rede gut finden. Aber du bist dran, als Erste/r, notfalls als Einzige/r, ein gutes Gefühl für dein Tun zu haben.

 

Male den Teufel an die Wand!

Wenn du blockiert bist, hat es irgendwie mit Angst zu tun. Gib ihr einen Namen, ein Gesicht! Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Male es dir aus! Und übertreibe so kräftig  du kannst!

Wozu das gut sein soll? Nun, die Information "Blockierung kommt aus Angst, und die machst du dir vor allem selbst" alleine hilft dir nicht wirklich. Die Angst hat dich weiter im Schwitzkasten. Sie ignorieren oder dagegen ankämpfen gibt ihr noch mehr Energie.

Deshalb machen wir Jiu-Jitsu und gehen mit dem Angreifer. Das Ausdrücken und Übertreiben bringt es (das Problem, die Blockierung, die Angst) aus deinem System heraus. Es mag immer noch da sein, aber du hast ein wenig mehr Abstand, kannst es anschauen, vielleicht sogar darüber lachen...

Wenn du tatsächlich einen Namen für dein Schreckgespenst gefunden hast, dann könnte eine spannende Frage sein: In welchem der Kraftfelder der Rede (ICH - WIR - ES - UND) ist es zu Hause?

Wandle Lampenfieber zu Energie!

Wenn die Aufregung wächst, keine Pillen! Auch kein Schlückchen, nicht einmal ein Affirmatiönchen. Lampenfieber ist Gold wert, es ist pure Energie. Sie hindert dich daran einzuschlafen oder deine Hörerschaft einschlafen zu lassen. Life ist live, no risk, no fun etc.

Spüre, wo deine Aufregung sitzt in deinem Körper (Schweiß in der Achselhöhle? Schmetterlinge im Bauch? Knie wie Butter?) Nimm das einfach wahr, ein paar Atemzüge lang, dann wende dich wieder dem zu, was es gerade zu tun gibt.

(Dieses Aufhören mit einer Übung ist auch sehr wichtig! Du brauchst sie nicht zum Erfolg zu führen - den du ja eh nach recht unbrauchbaren Kriterien beurteilst. Das gilt für alle diese Tipps: Tu was und dann stop! Das Rad ist angestoßen, es läuft auch ohne deine Kontrolle gut weiter...)

Löse dich wenigstens zeitweise vom Gedanken an das Ziel!

Wenn du in Gedanken schon beim Ergebnis bist, bist du nicht da, jetzt, in der Vorbereitung. Wer soll dann die Arbeit machen?

Kannst du wenigstens ab und zu dich der Vorbereitung selbst hingeben, versunken wie ein Kind in sein Spiel?

Wenn du diese Rede halten sollst, hat sie mit etwas zu tun, was dir wichtig ist oder dich wenigstens interessiert. Genieß die Beschäftigung mit dem Gegenstand, und lass das Ergebnis in seinem eigenen Rhythmus aus der Beschäftigung wachsen.

Geh mit deinem Problem statt dagegen an!

Wenn du mit deinem Problem gehst, wohin führt es dich?

Führt es dich dahin, ganz etwas anderes zu sagen, als was du dir vorgenommen hast (oder dir vorgegeben wurde)? Die Rede abzusagen und auszuwandern?

Schau es dir einfach an und lass es auf dich wirken. Vielleicht kannst du die Bewegung, die in der Störung drin ist, irgendwie aufnehmen. Deine Rede gewinnt an Spannung und Tiefe dadurch.

Und noch etwas: Irgendwann im Prozess kann es sein, dass eine Leere oder Stille eintritt, die sich unheimlich anfühlt. Als Profi weißt du: Genau diese Stille ist das Zeichen, dass deine Rede dabei ist, in eine neue Qualitätsstufe einzutreten.

Hab keine Angst (dass dir nie mehr was einfällt oder was die Schreckensbilder mehr sind), bleib ein wenig bei dieser Stille.

Schau in deinem Kopf nach: Läuft da ein Sabotage-Programm?

Beliebtestes Sabotageprogramm: Das schaffst du doch nicht! Kennst du die Stimme, die das sagt? Danke ihr höflich, dass sie dich vor Versagen bewahren will, und lass sie wissen, dass du inzwischen erwachsen bist.

Gleich danach die Nummer 2 in der Hitliste der Sabotageprogramme: Es muss perfekt sein. Tja, dann hast du echt keine Chance. Spiel damit: Wenn schon nicht 100 von 100 Punkten, wieviel willst du unbedingt erreichen? 80? 50?

Die großartige Ruth Cohn, Erfinderin der Themenzentrierten Interaktion, hat Seminare für Tausende von Leuten gegeben. Sie hat sinngemäß einmal festgestellt: 20% sind begeistert, 20% halten es für blöd, dem Rest ist es egal. 20 von 100 - kannst du damit leben?

Du brauchst gegen deine Selbstsabotage nicht anzukämpfen.

Nimm sie wahr. Das zieht ihr den Stecker raus.

Nimm es nicht so persönlich!

Zum Problem werden die Dinge vor allem dann, wenn du das, was geschieht, auf dich beziehst: Dann geht es um deine Leistung, dein Ansehen, dein Versagen...

No me, no problem, sagen die Zen-Meister.

Es geht nicht darum, ob du ein tolles, vielleicht goldenes Ei legst. Du bist Teil eines größeren, umfassenden Geschehens. Versuch deinen Part gut zu machen - und übergib dich und dein Tun dann dem Strom der Ereignisse.